Fachveranstaltung zur Gewinnung weiblicher Talente in MINT-Berufen stieß auf großes Interesse

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21.09.2022


„Zukunft#MINT“ – der Titel der Fachtagung war Programm. Aus unterschiedlichen Perspektiven wurden Strategien diskutiert, um gezielt weibliche Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Wichtiges Fazit: Eine engere Verzahnung zwischen Bildungseinrichtungen, Wirtschaft und Politik ist dringend geboten!

Für viele Unternehmen wird es immer schwieriger, geeignete Fachkräfte im MINT-Bereich zu gewinnen. Vor allem weibliche Talente werden für die auch heute noch eher männerdominierten Branchen noch zu wenig in den Blick genommen. Diese fühlen sich vielfach nicht angesprochen, wenn um den Nachwuchs geworben wird.

Die Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet, das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Westfälisches Ruhrgebiet und die Gleichstellungsbüros der Städte Dortmund, Hamm und des Kreises Unna sehen hier dringenden Handlungsbedarf und haben Unternehmen aus dem MINT-Sektor, aber auch Multiplikator*innen und Vertreter*innen aus dem Bildungsbereich sowie aus der Politik für den 13. September 2022 in die Zeche Hansemann zu einer Fachtagung eingeladen.

Im Zentrum der Fachvorträge stand die Frage, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, um das Interesse von Mädchen und Frauen für entsprechende Berufsfelder zu wecken. Abgerundet wurde die Tagung mit einem bunten Markt der Möglichkeiten, auf dem sich Bildungseinrichtungen, Projekte und Maßnahmen präsentierten, die ihre Angebote zur Gewinnung weiblicher Talente vorstellten und mit den Teilnehmenden in einen regen Austausch kamen. Mehr als 100 Gäste nutzten die Chance, um sich auf der Tagung „Zukunft #MINT“ zu informieren und sich mit regionalen Initiativen und Institutionen auszutauschen.

Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW Westfalen-Münsterland und Vorsitzender des Facharbeitskreises Westfälisches Ruhrgebiet, betonte in seiner Begrüßungsrede, dass die Wirtschaft gerade in Zeiten des Fachkräftemangels dringend auf das weibliche Potential angewiesen sei und freute sich über das hohe Interesse an der Veranstaltung.

Karin Ressel vom Technikzentrum Minden-Lübbecke zeigte in ihrem interaktiven Vortrag, woran es bereits beim Heranführen an technische Berufe scheitert. „Viele Werkzeuge sind so konzipiert, dass sie für junge Frauen unhandlich sind“, zeigte sie anschaulich anhand mitgebrachter Arbeitsmittel. Auch konnte sie aus ihrer Praxiserfahrung berichten, dass Mädchen und Frauen den Sinn ihrer Tätigkeit vielmehr hinterfragen, als Jungen und Männer, und es wichtig sei, diesem Aspekt Rechnung zu tragen.

Erfrischend ehrlich zeigte Vivien Emily Schiller von adesso SE die Aktivitäten in ihrem Unternehmen, um mehr Frauen für IT-Berufe zu begeistern und ihren Anteil auch in Führungsetagen zu steigern. Das Programm „She for IT“ startete 2019 bei adesso SE und es konnten mit zielgerichteter Ansprache und attraktiven (Qualifizierungs-)Angeboten bereits erste Erfolge erzielt werden. Sie ging aber auch darauf ein, dass auch immer wieder nachjustiert werden musste, und es guter Ansprachen bedarf, um die Akzeptanz im Unternehmen zu erhalten. Wichtige Botschaft von ihr: „Es geht nur, wenn die oberste Führungsebene hinter den Zielen steht und die Maßnahmen explizit unterstützt.“

Das Podium zur Veranstaltung war hochkarätig besetzt. Neben den beiden Vortragenden Karin Ressel und Vivien Emily Schiller nahmen an diesem auch Dr. Jens Stuhldreier vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, Dr. Marcus Mundry vom Heisenberg-Gymnasium und Magdalena Hein, Projektleiterin von zdi.NRW teil. Es wurde in der Diskussion deutlich, dass es bereits sehr gute Angebote gibt, um Mädchen Einblicke in MINT-Berufe zu geben, eine engere Verzahnung aller Akteur*innen aber notwendig ist, um das volle Potential auszuschöpfen. Dass es weibliche Talente gibt, davon waren alle Podiumsgäste überzeugt und wird auch durch vielfältige Studien belegt. Allerdings halten sich geschlechterbezogene Rollenstereotype hartnäckig und können nur mit frühzeitigen und zielgerichteten Ansätzen und Projekten aufgebrochen werden. Hier sind neben Schule und Wirtschaft auch außerschulische Angebote und die Einbindung der Eltern gefragt, da diese ihren Töchtern auch heute noch vielfach zu den klassischen Frauenberufen raten. Auch fehlt es in der Gesellschaft und in den Medien an weiblichen Vorbildern. „Dies gilt es endlich zu durchbrechen und neue Wege zu gehen, denn junge Frauen haben viele Talente und Kenntnisse, wissen es aber oft nicht.“ betonte Karin Ressel.

Schulen seien gefordert, praktische Angebote zu entwickeln, die es Mädchen ermöglichen, ihre Fähigkeiten zu entdecken und Interesse zu wecken – und zwar ohne, dass im Hintergrund eine Bewertung durch eine Schulnote erfolgt, so ein Fazit aus der Diskussion. Auch Unternehmen wären in der Verantwortung, Mädchen gezielter anzusprechen und konkret auf deren Bedürfnisse einzugehen.

Aus Sicht von Romy Mlinzk, Inhaberin einer Agentur für Social Media & Digitale Kommunikation, und Vortragende zum Thema „Digitales Personalmarketing“ müssen Mädchen und junge Frauen auch gezielter in den sozialen Medien angesprochen werden. Ganz nach dem Motto „der Köder muss dem Fisch schmecken“ sind „Formulierungen, Sprache und Bilder sehr wichtig, um überhaupt Interesse zu wecken.“

Die Resonanz zur Veranstaltung war durchweg positiv. „Wir werden an diesem Erfolg anknüpfen und weitere Vernetzungsangebote entwickeln“, so André Deutschmann, Leiter der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet und spricht damit für alle Mitveranstaltende.

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