Betriebliche Kinderbetreuung: Regionalagentur präsentiert Beispiele guter Praxis

Wie können Unternehmen in einem annehmbaren Kostenrahmen eine betrieblich unterstützte Kinderbetreuung auf die Beine stellen? „Die eigene Kita ist zwar der Königsweg, aber die Praxis zeigt, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, die ans Ziel führen“, weiß Katja Sträde. Seit Jahren lotet die Mitarbeiterin der Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet bei der Wirtschaftsförderung Kreis Unna aus, welche weiteren Modelle der Kinderbetreuung in kleineren und mittleren Unternehmen zu realisieren sind.

Denn für diese Firmen ist die eigene Kita in der Regel aus Kostengründen keine Option.
Die Expertin der Rregionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet bei der Wirtschaftsförderung Kreis Unna war im Mai als Referentin bei dem Austauschtreffen „Gute Personalarbeit“ zum Thema Kinderbetreuung der Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld zu Gast und berichtetet von einer Alternative, die sich im Kreis Unna bereits bewährt: die betrieblich unterstützte Großtagespflege.

 

Berichtetet aus der Praxis: Katja Sträde (2.v.r.). Foto: Dr. Kirsten Tacke-Klaus (Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld GmbH)
Berichtetet aus der Praxis: Katja Sträde (2.v.r.).
Foto: Dr. Kirsten Tacke-Klaus (Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld GmbH)

 

Dieses Modell stellte Katja Sträde im Rahmen des Workshops im KompetenzCentrum

Coesfeld der VR-Bank Westmünsterland eG einem Kreis von Unternehmen vor, die ihre familienfreundliche Personalpolitik systematisch weiterentwickeln wollen. Eingeladen hatten die Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld und die WFG Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken mbH, die mit der Workshop-Reihe gemeinsam die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im westlichen Münsterland fördern.

Bei der Kindertagespflege, erklärt Sträde, betreue üblicherweise eine Tagesmutter oder ein Tagesvater im familiären Rahmen bis zur fünf Kinder. Mit dem Konzept der betrieblich unterstützten Großtagespflege lasse sich der Kreis erweitern: Bis zu neun Kinder werden von drei Kräften betreut, und zwar in der Regel in Räumen, die vom Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. „Bei dem Modell der Großtagespflege sind die Anforderungen zwar nicht so hoch wie bei einer betrieblichen Kita, doch müssen auch hier Standards erfüllt und entsprechende Kosten getragen werden“, erklärte Sträde und zählte beispielhaft einige Punkte auf: Schlafraum mit Bett für jedes Kind, Wickelbereich und, meist die größte Investition, eineFunktionsküche. Wichtig sei es, bei der Vorbereitung des Projektes die Ämter mit ins Boot zu holen. „Je früher, umso besser“, betonte Katja Sträde. Demnach prüft das Jugendamt die Qualifikation des Personals, die Qualität des pädagogischen Konzeptes und die Größe der Räume, bevor es eine Pflegeerlaubnis ausstellt. Das Gesundheitsamt überzeugt sich vom Hygieneplan, und das Bauordnungsamt entscheidet über den Antrag zur Nutzungsänderung der jeweiligen Immobile. Doch sieht Sträde im Kreis Unna, dass sich die Investition an Zeit und Geld für viele Unternehmen lohne, weil das Modell der Großtagespflege eine schnellere Rückkehr aus der Elternzeit ermögliche und ein wertvolles Element sei für das Employer Branding, also für die Entwicklung der Arbeitgebermarke: Es steigere die Mitarbeitermotivation und könne Fachkräfte vom Unternehmen überzeugen. „Das Argument der räumlichen Nähe, also das Gefühl, im Bedarfsfall mal eben zum Kind zu gehen, ist für viele Eltern sehr wichtig“, berichtet sie. Bestätigt wurden dieser Aspekt und viele weitere Punkte des Vortrages von einem Unternehmen aus dem Münsterland, das bereits Erfahrungen mit der Großtagespflege gesammelt hat: Gisela Hoffschlag berichtete für die in Vreden ansässige Ventana Deutschland GmbH & Co. KG über das Betreuungsangebot „Glücksfabrik“.

Dass auch die VR-Bank Westmünsterland eG Kinder – und zugleich deren Eltern – glücklich machen kann, hat ein weiterer Impulsvortrag des Austauschtreffens gezeigt. Hier stand die Kinderbetreuung zur Ferienzeit im Blickpunkt. „Wir haben im Zuge unseres Employer-Branding-Konzeptes viele Maßnahmen umgesetzt, eine davon ist das Angebot einer Betreuung für die Kinder unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Sommerferien“, erklärte Margot Heiring. Die Bereichsdirektorin Human Resources wies darauf hin, dass der Stellenwert der Arbeitgebermarke immer größer werde: „Die digitale Welt ermöglicht eine enorme Transparenz, umso wichtiger ist es für die Unternehmen, zu reagieren und sich mit einem Employer-Branding-Konzept aktiv nach außen und innen aufzustellen“, sagte sie.

Was in der Folge bei der VR-Bank in den Kompetenzcentren in Coesfeld und Borken während zwei Ferienwocheninnen so los ist, beschrieb Mareen Lammerding: „Es geht rund, es wird auch mal lauter.“ Seit 2012 organisiert sie das Betreuungsangebot, dass sich an die pädagogischen Leitlinien der deutschlandweiten gemeinnützigen Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ anlehnt. „Es geht darum die Kreativität zu fördern und zugleich die Kinder für die MINT-Fächer zu begeistern“, erklärte Lammerding. In diesem Jahr stehen Experimente mit Farben, Licht und Schatten auf dem Programm, und erneut werden die Kinder von pädagogischen Fachkräften betreut. Die Kosten übernimmt der Arbeitgeber. Dass Angebot wird sehr gut angenommen: War die VR-Bank vor vier Jahren insgesamt noch mit  20 Kindern in die Forscherferien gestartet, sind für 2016 bereits 37 Kinder angemeldet. Für Mareen Lammerding ist das keine Überraschung, denn schließlich bringe das Angebot allen Beteiligten Vorteile: den Kindern Spaß, den Eltern Flexibilität in der Urlaubsplanung und dem Arbeitgeber motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Text: Dr. Kirsten Tacke-Klaus (Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld GmbH)