Gelebte Inklusion

Junge Menschen mit Behinderung haben oftmals Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. An diesem Punkt setzt die Initiative „100 zusätzliche Ausbildungsplätze (Aktion 100)“ des Landes Nordrhein-Westfalen an. Sie soll jungen Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine bessere berufliche Perspektive ermöglichen. Im inzwischen zehnten Jahr beteiligt sich das Berufsförderungswerk Hamm (BFW) an dieser Initiative. Knapp 150 junge Menschen wurden inzwischen bei ihrer Ausbildung begleitet. Die Bandbreite der Berufe erstreckt sich von der Kauffrau für Büromanagement über den Tischler bis hin zum technischen Produktdesigner.

Burkhardt Mitschang, ein Mitarbeiter der Aktion 100 erklärt den Ablauf: „Wir starten jeweils im Januar mit meistens 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Diese schließen mit dem Berufsförderungswerk einen Ausbildungsvertrag für einen zumeist dreijährigen Ausbildungsberuf. Wir suchen gemeinsam mit den Auszubildenden geeignete Kooperationsbetriebe. Um den Betrieb vor Ausbildungsstart kennenzulernen, können sie vorher ein Praktikum im jeweiligen Unternehmen absolvieren. Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchen die ganz normale Regelberufsschule, starten aber ein halbes Jahr später. Nach einer normalen Ausbildungszeit von drei Jahren stehen dann auch für sie die Abschlussprüfungen an. Erfreulich für uns ist die hohe Motivation von vielen Teilnehmern, die ihre Zwischen- und Abschlussprüfungen in manchen Fällen sogar erfolgreich vorziehen.“

Das BFW hält während der Ausbildung intensiv den Kontakt zu den Betrieben und Schulen. „Wenn die jungen Erwachsenen nach Beendigung der Ausbildung sagen, dass unsere Begleitung ´´nicht notwendig„ war, dann haben wir alles richtig gemacht, denn wir regeln viel im Hintergrund, sodass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nichts davon mitbekommen“ so Dagmar Eickhoff vom BFW Hamm. Die Berufsschulen sind inzwischen für die Belange der Zielgruppe sensibilisiert, so wird zum Beispiel bei allen Planungen auf barrierefreien Zugang zu den Unterrichtsräumen geachtet. „Neben der fachlichen Ausbildung nimmt auch die individuelle sozialpädagogische Begleitung großen Raum ein. Hier stehen Themen wie die individuelle Lebensplanung und die persönliche Identitätsentwicklung im Fokus“ so Claudia Amenda-Himker vom BFW Hamm.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist das Programm erfolgreich: Fast einhundert Prozent derer, die zur Prüfung zugelassen waren, haben die Ausbildung beendet und einen Abschluss in der Tasche. Knapp 60 % werden direkt von den Kooperationsbetrieben übernommen.

„Das Programm war für mich als Rollstuhlfahrerin eine tolle Chance“, so Teilnehmerin Melanie Thierig. „Gerade die intensive Betreuung durch das BFW hilft einem dabei, auch in schwierigen Momenten die eigenen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und die Ausbildung erfolgreich zu absolvieren.“

Für die kommenden Jahre wünschen sich die Verantwortlichen vom BFW vor allem, noch mehr Unternehmen für Inklusion von jungen Menschen mit Behinderungen zu sensibilisieren und von den Potenzialen und Stärken dieser Zielgruppe überzeugen zu können.

 

Weitere Informationen zum Programm „100 zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderungen in Nordrhein-Westfalen“:

http://www.bfw-hamm.de/unsere-angebote/berufliche-neuorientierung/ein-neuer-beruf/100-zusaetzliche-ausbildungsplaetze.html

https://www.mais.nrw/ausbildung-mit-behinderung

http://www.gib.nrw.de/service/foerderprogramme/100_zusaetzliche_ausbildungsplaetze